Hilfe bei Konflikten

Hilfe bei Konflikten: Sozialberatung für Geflüchtete

Insgesamt acht speziell ausgebildete Rotkreuzler arbeiten in der Sozialberatung in Doberlug-Kirchhain. Sie kümmern sich um verschiedene Sorgen und Probleme, die die Bewohner beschäftigen, und beraten bei Asylverfahrens-, Gesundheits- und Familienfragen. Zweimal wöchentlich bieten sie Gruppenberatungen an, in denen es auch um das Zusammenleben und den gemeinsamen Alltag der Geflüchteten geht.

„Zu 80 Prozent kommen Menschen zu uns, die abschiebepflichtig sind. In solchen Fällen geht vor allem um psychosoziale Beratung“, sagt Martin Uhr, Teamleiter des Sozialdienstes und stellvertretender Objektleiter. Die Berater helfen bei der Übersetzung der behördlichen Schreiben und erläutern die Möglichkeiten, die der Geflüchtete hat. „Wir fragen nach den Ängsten und Sorgen sowie nach der Zukunftsplanung, falls sie tatsächlich in ihr Heimatland zurück müssen. Oft kommen Menschen mit hohen Erwartungen zu uns, die um jeden Preis hier bleiben möchten. Diese Hoffnung müssen wir manchmal ausbremsen und mit ihnen die Faktenlage sowie die ‚Was-wäre-wenn-Situation’ durchsprechen“, so Uhr.

Perspektiven bieten

Aber auch anderer Probleme nehmen sich die Sozialberater an, etwa Drogen- oder Alkoholkonsum. Oder die Herausforderungen, denen sich die teilweise schwer Traumatisierten nach Kriegserlebnissen und einer monatelangen Flucht stellen müssen. Wie sortieren sie ihren Alltag neu? Wie können sie das Erlebte verarbeiten? Und wie gehen sie mit der Sorge um Familie und Freunde, die noch in der Heimat sind, um? „Wir fangen die Menschen auf, hören ihnen zu und versuchen, ihnen Perspektiven zu bieten“, sagt Martin Uhr. „Eine große Schwierigkeit ist beispielsweise, dass sie oft den ganzen Tag nichts zu tun haben. Durch ein enges Netzwerk mit den Kommunen können wir Praktikumsplätze vermitteln. Oder sie bekommen Aufgaben in der Einrichtung, etwa, indem sie Freizeitangebote betreuen, Hausmeistertätigkeiten übernehmen oder übersetzen.“

Junge Frauen, die mit ihrer Schwangerschaft nicht klarkommen, oder Paare, die im Begriff sind, sich zu trennen, gehören ebenfalls zu den Ratsuchenden. Auch der Umgang mit Kindern spielt eine Rolle. Hier seien ein interkulturelles Verständnis und ein langsames Herantasten besonders wichtig, sagt der Leiter. Seine Mitarbeiter seien für diese spezielle Kommunikation jedoch bestens geschult. Liegt ggf. eine tatsächliche Kindswohlgefährdung vor, etwa durch Gewalt in der Familie, informieren die Berater umgehend das Jugendamt.

An fünf Tagen pro Woche bieten die Sozialarbeiter Termine an. Darüber hinaus gibt es eine permanente Rufbereitschaft für akute Krisensituationen. Hierfür arbeiten Martin Uhr und sein Team eng mit den Hausbetreuern zusammen, die die ersten Ansprechpartner für die Bewohner sind. „Falls die Hausbetreuer sich um jemanden sorgen, bieten wir ihm einen Termin bei uns an“, erläutert Martin Uhr. „Unsere Arbeit fordert viel Flexibilität. Da die Probleme sehr individuell sind und es in der Sozialberatung von Geflüchteten kaum Erfahrungswerte gibt, können wir nicht nach festen Mustern arbeiten. Aber unser Angebot wird bestens angenommen und wir freuen uns, wenn wir für seelische Entlastung oder mit pragmatischen Lösungen helfen können.“

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