DRK-Suchdienst bringt Geschwister zusammen

DRK-Suchdienst bringt Geschwister zusammen

Er war 13 Jahre alt, als seine Eltern ermordet wurden und er aus seinem Heimatland fliehen musste. Seitdem hat er seine Schwester nicht mehr gesehen. Zum Internationalen Tag der Familie am 15. Mai erzählen wir seine Geschichte.

Nennen wir ihn zu seiner Sicherheit einfach Doumbia, so wie die berühmten Fußballer von der Elfenbeinküste. Auch der 20-jährige Doumbia spielt gerne Fußball, er lebt in einer betreuten Wohngemeinschaft im Nordosten Brandenburgs. Auf dem Sofa sitzend erzählt der junge Mann seine Geschichte. Doumbia lebte mit seinen Eltern und seiner Schwester an der Elfenbeinküste, sie hatten ein großes Haus und der Vater hat gut verdient. Als es 2011 rund um die Präsidentschaftswahlen zum Bürgerkrieg kam, wurden seine Eltern ermordet. „Die Rebellen haben mich entführt, sie wollten wissen, wo das Geld meiner Eltern ist“, erzählt Doumbia mit gesenktem Kopf. Was mit seiner Schwester passiert ist, erfährt er erst sieben Jahre später.

Als er in Deutschland in Sicherheit ist, wendet er sich an den Suchdienst des Roten Kreuzes. Mirjam Pfeffinger und Christiane Uhlig vom DRK-Suchdienst Brandenburg nehmen seine Daten auf und stellen seine Anzeige auf die Seite „Restoring Family Links“ vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz. Er hat Glück, auch seine Schwester hat sich dort bereits registriert. Wenige Tage später erhält er Besuch von den Suchdienst-Mitarbeiterinnen, sie haben eine Nachricht und ein Foto seiner Schwester für ihn. „Als wir ihm das Foto gezeigt haben, war er sehr aufgewühlt. Er dachte, er hätte als einziger aus seiner Familie überlebt und hat die Erinnerung an die Ereignisse 2011 verdrängt“, berichtet Uhlig.

Doumbia wurde gefoltert – mit 13 Jahren. Immer wieder, eine Woche lang. Er zieht sein Hemd hoch und zeigt die Narbe auf der Brust. Dort haben ihm die Rebellen Haut rausgerissen. Seine Hände zittern, als er weitererzählt. Er wusste nicht, wie man an das Geld seiner Eltern kommt. Aber er hatte seine Peiniger und die Mörder seiner Eltern gesehen und war gefährlich für sie. Sie wollten ihn töten. Eine Frau unter den Rebellen hatte Mitleid mit dem Jungen und brachte ihn heimlich weg. „Er ist ja noch ein Kind“, sagte sie zu ihrem Mann. Fünf Jahre war Doumbia auf der Flucht über Mali, Burkina Faso und Libyen. Er lebte auf der Straße, kam in Libyen ins Gefängnis und wurde bedroht, geschlagen, verletzt und ausgeraubt. Zweimal wagte er sich auf die Überfahrt nach Europa, beim zweiten Mal schaffte er es. Doumbia, mittlerweile 17 Jahre alt, schlug sich durch bis Verona und stieg dort in einen Zug nach München. Es war Januar und Doumbias Hände waren ganz geschwollen von der Kälte. „Ich hatte so eine Angst, dass sie mich gleich zurückschicken“, erzählt er.

Seit zwei Jahren lebt Doumbia jetzt in Brandenburg und spricht mittlerweile sehr gut Deutsch. Diesen Sommer hat er die Schule abgeschlossen, im Herbst beginnt seine Ausbildung zum Altenpfleger. Über den Fußballverein hat er viele Freunde gefunden. „Letzte Saison habe ich 23 Tore geschossen“, sagt Doumbia ein bisschen stolz. Seit einem Jahr ist er mit seiner Freundin zusammen, sie haben sich in der Schule kennengelernt. Seine Schwester hat er noch immer nicht wiedergesehen, die Geschwister chatten aber regelmäßig und telefonieren über Skype. Seine Schwester lebt in Amerika, Freunde hatten ihre Flucht organisiert. Doumbias größter Wunsch? In Deutschland bleiben zu dürfen und seine Schwester wiederzusehen.

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