"Unsere Mitarbeiter": Llena Paridon

"Unsere Mitarbeiter": Llena Paridon

„Ich habe nach etwas Größerem gesucht und wollte für die deutsche Gesellschaft einen Beitrag leisten, indem ich dabei helfe, Asylsuchende in Deutschland zu orientieren.“ Llena Paridon, DRK-Sozialarbeiterin in der Erstaufnahmeeinrichtung in Wünsdorf, berichtet heute in unserer Reihe "Unsere Mitarbeiter" von ihrer Arbeit. Nach mehreren Jahren in der freien Wirtschaft mit längeren Auslandsaufenthalten ist Llena Paridon seit Januar 2016 bei der DRK Flüchtlingshilfe Brandenburg und arbeitet im Team Sozialberatung in der Erstaufnahmeeinrichtung in Wünsdorf.

Was ist Ihre Aufgabe in der Erstaufnahmeeinrichtung?

Ich bin seit der Eröffnung der Erstaufnahmeeinrichtung Wünsdorf im Januar 2016 dabei und arbeite im Team der Sozialberatung. Ich begleite die Geflüchteten während ihres Aufenthalts in der Erstaufnahmeeinrichtung bei allen Fragen zum Asylverfahren, zu aufenthaltsrechtlichen und beruflichen Perspektiven in Deutschland, in Konfliktsituationen, bei familiären Angelegenheiten und Erziehungsfragen sowie bei psychischen und/oder körperlichen Problemen. Ich informiere alle Neuankömmlinge mit meinem Team über ihre Rechte und Pflichten in der Einrichtung und in Deutschland und bringe ihnen die deutsche Kultur näher. Unser Aufgabengebiet ist genau wie die Menschen, mit denen wir täglich arbeiten, extrem vielfältig und abwechslungsreich. Es gibt Beratungsgespräche, in denen wir mit einzelnen Personen, aber auch welche, in denen wir mit ganzen Gruppen sprechen. Wenn es jemandem nicht so gut geht, suchen wir die Geflüchteten auch mal in ihrer Unterkunft auf, um nach ihnen zu sehen.

Wie sind Sie zu Ihrer Aufgabe gekommen und was motiviert Sie an der Arbeit?

Ich habe Pädagogik und Psychologie studiert und nach meinem Masterabschluss mehrere Jahre in der freien Wirtschaft gearbeitet. Ich hatte schon immer Positionen, bei denen ich mich mit zwischenmenschlichen Belangen beschäftigt habe. Ich habe auch eine Zeit im Ausland gelebt und gearbeitet und bin kulturell sehr interessiert. Ich kam an einen Punkt, an dem ich nicht mehr ausschließlich arbeiten wollte, um mein Leben zu finanzieren. Ich habe nach etwas Größerem gesucht und wollte für die deutsche Gesellschaft einen Beitrag leisten, indem ich dabei helfe, Asylsuchende in Deutschland zu orientieren. Ich mag es sehr, meinen Klienten die Werte unserer Gesellschaft nicht nur zu vermitteln, sondern auch vorzuleben. Der Zusammenhalt und der Humor in meinem interkulturellen Team motivieren mich jeden Tag aufs Neue, denn ich habe hier die Möglichkeit, unendlich viel aus fernen Ländern zu lernen. Durch die Erzählungen meiner Klienten aus ihrem bisherigen Leben entwickle ich mich ständig weiter. Ich erfahre etwas über die politische Lage in den Herkunftsländern und über andere kulturelle Gepflogenheiten. Wir bringen Verständnis füreinander auf, zeigen Grenzen auf, wenn es notwendig ist und sehen Integration als einen langfristigen Prozess. Am Ende sind wir alle gleich – wir alle sind Menschen, die auf der Suche sind nach einem sicheren und glücklichen Leben.

Möchten Sie eine kurze Geschichte aus dem Alltag in der Erstaufnahmeeinrichtung erzählen?

Es gibt in unserer Erstaufnahmeeinrichtung einen so genannten „Bewohnerrat“. Das bedeutet, dass in jeder Community ein Mann und eine Frau von den Bewohner-/innen gewählt werden, die die Interessen ihrer Landsleute vertreten. Eines Tages ist ein kamerunischer Repräsentant in eine kleinere Gemeinschaftsunterkunft umgezogen. Er lud am Tag davor die gesamte kamerunische Community zu einer Versammlung mit mir und einem anderen französischsprachigen Sozialarbeiter ein. Bei dieser Versammlung las er öffentlich einen Dankesbrief vor, den er zuvor mit den anderen Kameruner-/innen verfasst hatte. Der Brief war zwei Seiten lang und er beschrieb sehr detailliert unsere tägliche Arbeit, die Intensität unserer Unterstützung, den seelischen Halt, den wir versuchen, allen Geflüchteten in der Einrichtung zu geben. Ich war von dieser Geste extrem gerührt, denn mir wurde wieder bewusst, warum der Großteil von uns hier arbeitet: „Die größten Menschen sind jene, die anderen Hoffnung geben können.“ (Jean Jaurès)

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