Unsere Mitarbeiterin Minji Shin

Unsere Mitarbeiterin Minji Shin

„Es ist beeindruckend und ein Geschenk für mich, zu erfahren und zu erleben, wie die Bewohner auch in prekären Situationen ihre Kreativität entfalten", sagt Minji Shin. Sie ist Sozialbetreuerin in der Erstaufnahmeeinrichtung (EAE) in Wünsdorf. Wie sie zu dem Job gekommen und welche Alltagsgeschichte ihr besonders im Sinn geblieben ist, hat sie uns für unsere Reihe „Unsere Mitarbeiter" verraten.


Hallo Frau Shin, was genau machen Sie als Sozialbetreuerin in der Erstaufnahmeeinrichtung in Wünsdorf?

Ich arbeite seit Januar 2019 in Wünsdorf als Sozialbetreuerin für Jugendliche und Erwachsene. Ich gestalte das Betreuungsangebot, damit sich die Bewohner in der EAE während ihres Aufenthalts kreativ, handwerklich, musikalisch usw. beschäftigen können.

Welche kreativen Angebote haben Sie geschaffen?

Ich führe regelmäßig kleine und manchmal auch große Kunstprojekte durch. Seit dem vergangenen Jahr male ich dienstags und donnerstags mit Jugendlichen und Erwachsenen. Wenn handwerklich begabte Bewohner zum Jugendclub kommen, gestalte ich mit ihnen auch langfristige Projekte. Bei den Projekten sorge ich dafür, dass den Bewohnern die nötigen Arbeitsmittel zur Verfügung stehen. Ich möchte, dass ihnen die kreative Arbeit Freude bereitet und sie ihren Alltagsstress sowie ihre Zukunftssorgen für einen Moment vergessen.

Was hat Sie motiviert, in einer Erstaufnahmeeinrichtung zu arbeiten?

2015 habe ich ein Kunstprojekt mit Flüchtlingskindern im Rahmen meiner Masterarbeit geleitet. Die Kinder im Projekt waren kreativ und spielerisch im Vergleich zu anderen Kindern und Erwachsenen in dem Übergangswohnheim. Die Kinder vergessen und/oder schalten ihre schlechten Erfahrungen und Sorgen aus, indem sie spielen, malen und basteln usw. Dadurch habe ich mein Interesse an der spielerischen und kreativen Gestaltung weiterentwickelt und mich damit in diesem Berufsfeld beschäftigt.

Was ist das Besondere für Sie bei der Arbeit mit den Bewohnern der Erstaufnahmeeinrichtung?

Im Jugendclub in Wünsdorf begegne ich täglich kreativen und talentierten Bewohnern. Es ist wirklich beeindruckend und ein Geschenk für mich, zu erfahren und zu erleben, wie die Bewohner auch in prekären Situationen ihre Kreativität entfalten.

Sie sind viel in Kontakt mit den Bewohnern der EAE. Gibt es eine Geschichte aus dem Berufsalltag, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Ich kann mich gut daran erinnern, wie ein kurdischer Bewohner zu mir gekommen ist, weil er ein Haus bauen wollte. Er erzählte mir, dass er im Irak Automechaniker gewesen sei und handwerkliche Arbeit ihm großen Spaß mache. Ich habe ihm ein paar Wochen später dann einen Auftrag gegeben, dass er ein großes Kinderhaus bauen solle. Ich habe allen Mitarbeitern Mails geschrieben, da wir Kartons zum Haus bauen suchten. Durch die Unterstützung meiner Kollegen habe ich genügend Kartons besorgt und ihm sämtliche Materialien gegeben.

Hat alles mit dem Bau des Kinderhauses geklappt?

Ich war etwas in Sorge, weil er plötzlich verschwunden war und ich ihn während meiner Arbeitszeit nicht mehr in der EAE finden konnte. Später habe ich ihn wiedergesehen und er erzählte mir, dass er bald in den Transfer geht und die Einrichtung in Wünsdorf verlässt. Trotz seines Transfers wollte er sein Haus aber unbedingt zu Ende bauen. Er arbeitete dann mit einigen Jugendlichen daran weiter und einen Tag vor seiner Abfahrt hat er das Kinderhaus fertiggebaut. Dass er es geschafft hat, machte ihn stolz. Ich werde nie seine Worte nach der Fertigstellung vergessen. Er war total glücklich und sagte: „Ich habe ein Haus gebaut. Und eine Wohnung bekommen."

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