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DRK-Flüchtlingshilfe Brandenburg

Kinderschutz- und Spielräume für Flüchtlingskinder in Eisenhüttenstadt

Ein bisschen Normalität

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) hat in der Erstaufnahme Eisenhüttenstadt in Kooperation mit der Kinderrechtsorganisation Save the Children mehrere Projekte zum verbesserten Schutz von Kindern auf den Weg gebracht.

Ein bisschen Normalität

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) hat in der Erstaufnahme Eisenhüttenstadt in Kooperation mit der Kinderrechtsorganisation Save the Children mehrere Projekte zum verbesserten Schutz von Kindern auf den Weg gebracht. Damit soll das Leben von Flüchtlingskindern wieder in halbwegs geregelte Bahnen kommen. 

Im Eingang zum Familienwohnhaus der Erstaufnahmeeinrichtung in Eisenhüttenstadt steht ein kleiner Junge und weint. Die umstehenden Bewohner versuchen ihn zu beruhigen. Es hilft nichts, er will zu seiner Mama. Aber die mit ihrem Sohn allein aus Tschetschenien geflüchtete Frau liegt mit Wehen im Krankenhaus. Sabine Weiss ist sofort zur Stelle. Sie kniet sich auf den Boden, umschließt behutsam die Hände des Jungens und spricht ihn ruhig und in fließendem Russisch an.

Sabine Weiss ist Kinderschutzfachkraft und auf Fälle wie diesen spezialisiert. Nach ihrem Studium der Vorschulpädagogik und Kinderpsychologie in Moskau und vielen Stationen in der sozialpädagogischen Arbeit, ist die erfahrene 51-Jährige seit November 2016 für die Kinderrechtsorganisation Save the Children tätig. In der Kooperation mit dem DRK ist sie dafür verantwortlich, die Kinderschutzstandards in der Unterkunft auszubauen.

Kinderfreundliche Bereiche bieten den Kindern eine sichere Umgebung

„Kinder, die nach einer anstrengenden und gefährlichen Flucht nach Eisenhüttenstadt kommen, sind in einem sehr verletzlichen Zustand“, sagt Weiss. Sie haben in ihren jungen Jahren häufig Dinge erlebt, die ein Mensch normalerweise nicht erleben muss. Ihr Zuhause wurde zerstört, sie haben Familienangehörige verloren oder mussten vor gewaltsamen Konflikten fliehen. In Deutschland angekommen, wissen viele Familien immer noch nicht, wie es weitergeht.

Damit die Kinder wieder Halt im Leben gewinnen, brauchen sie eine sichere und stabile Umgebung. In Eisenhüttenstadt haben das DRK und Save the Children deshalb sogenannte „Child Friendly Spaces“, also kinderfreundliche Bereiche eingerichtet. Dahinter steht ein international anerkanntes Konzept aus der humanitären Hilfe, das Richtlinien für kinderfreundliche Schutz- und Spielräume festlegt. Beim Toben mit Gleichaltrigen, Basteln, Singen oder Tanzen finden die Kinder in belastenden Situationen wieder Entspannung, fühlen sich sicher und bekommen durch die geregelten Tagesabläufe und Routinen allmählich wieder ein Gefühl von Normalität. In Eisenhüttenstadt soll das für möglichst viele Kinder gelingen. Neben dem bestehenden Betreuungsraum haben das DRK und Save the Children deshalb zwei zusätzliche Schutz- und Spielräume geschaffen, in denen die Kinder wochentags von 8 bis 16 Uhr mit unterschiedlichen Angeboten betreut werden.

Einer, der das Betreuungsangebot fast täglich nutzt, ist der zehnjährige Emin[i]. Er ist mit seiner schwerkranken Mutter und seinen vier Geschwistern aus Tschetschenien geflohen. Als kleiner Junge musste er miterleben, wie sein Vater von unbekannten Männern überfallen und verschleppt wurde. Bis heute ist ungewiss, ob er noch lebt. Jetzt posiert Emin lässig im Türrahmen des Spielzimmers und blickt fragend zu Sabine Weiss. „Komm rein!“, sagt sie. Er schmunzelt und steuert zielstrebig auf die große Autokiste zu. „Beim Spielen kommt Emin zur Ruhe und vergisst für einen Moment die Ereignisse, die ihn schwer belastet haben“, erklärt Weiss.  

Arbeiten mit Flüchtlingskindern - Kein Job wie jeder andere

Auch wenn auf den ersten Blick vieles danach aussieht – es ist kein normaler Erzieherjob, den die Mitarbeiter in der Flüchtlingsunterkunft leisten. „Abgesehen vom Umgang mit vielen bewegenden Schicksalen, müssen sie Kinder aus 35 Nationen mit unterschiedlichsten kulturellen Herkünften vereinen, sprachliche Barrieren überwinden, Kinder mit Behinderungen integrieren und sie müssen Traumata und Bedürfnisse erkennen, die mit der ganz besonderen Situation von geflüchteten Kindern einhergehen“, sagt DRK-Objektleiter Stefan Bley. Die Erzieher bauen Vertrauensverhältnisse zu den Kindern auf, können sie aber nur für eine kurze Zeit begleiten und wissen nicht, was mit ihnen nach ihrer Zeit in Eisenhüttenstadt passiert. Für die meisten Mitarbeiter ist das belastend.

Die Kooperation mit Save the Children ist deshalb eine wichtige Unterstützung für die Mitarbeiter: Im Rahmen des Mentorings arbeiten Sabine Weiss und zwei weitere Fachkräfte von Save the Children intensiv mit den Erziehern und Sozialbetreuern des DRK zusammen, schulen, beraten und begleiten sie. Da das Betreuungsangebot in den Schutz- und Spielräumen zeitlich und räumlich begrenzt ist, legt das Projekt auch ein Augenmerk darauf, wie Kinder außerhalb der geschaffenen Räume – in Fluren, Gängen und Gemeinschaftsräumen – geschützt werden können. Hier ist die enge Zusammenarbeit und Absprache der Mitarbeiter besonders wichtig, damit sie Gefährdungssituationen frühzeitig erkennen. Mit Weiterbildungen wie dem „Training zur psychosozialen Unterstützung“, lernen die DRK Mitarbeiter unter anderem, wie sie psychische Belastungen bei den Kindern richtig einschätzen und mit ihnen umgehen.

Auch die Zusammenarbeit mit den Eltern erfordert viel Fingerspitzengefühl. Verhält sich ein Kind auffällig, ist es aggressiv oder sehr anhänglich, werden die Eltern aufgesucht. Maßregelungen sollen dabei aber vermieden werden: „Wir wollen die Eltern weder mit unseren Erziehungsvorstellungen überrollen, noch sie zu sehr aus ihrer Verantwortung entlassen. Uns geht es viel eher darum, gemeinsam festzustellen: was braucht das Kind eigentlich?“, sagt Bley. Die Eltern sind in der Regel sehr dankbar für diese Unterstützung, denn sie sind durch die Fluchtsituation häufig selbst belastet und können sich nicht ausreichend kümmern, so Bley.

Im Eingangsbereich des Familienwohnhauses ist mittlerweile wieder Ruhe eingekehrt. Der Junge hat sich beruhigt und wird von DRK Mitarbeitern und einer befreundeten Familie betreut. Das DRK hat nach Rücksprache mit Sabine Weiss Kontakt zur Mutter aufgenommen. Sie hat die Entbindung gut überstanden und wird auch ihren großen Sohn bald wieder in die Arme schließen können.

Autor/in: Jolina Flötotto