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DRK-Flüchtlingshilfe Brandenburg

Im Gespräch mit DRK-Asylverfahrensberaterin Daria Bobrovskaya

Eine frühzeitige Asylverfahrensberatung gibt Geflüchteten die Chance, selbstverantwortlich über ihr weiteres Handeln zu entscheiden. In der vom Roten Kreuz betriebenen Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete in Doberlug-Kirchhain arbeiten acht Berater, die die Bewohner durch das komplizierte Verfahren begleiten.

Im Gespräch mit DRK-Asylverfahrensberaterin Daria Bobrovskaya

Eine frühzeitige Asylverfahrensberatung gibt Geflüchteten die Chance, selbstverantwortlich über ihr weiteres Handeln zu entscheiden. In der vom Roten Kreuz betriebenen Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete in Doberlug-Kirchhain arbeiten acht Berater, die die Bewohner durch das komplizierte Verfahren begleiten. Eine von ihnen ist die 28-jährige Daria Bobrovskaya.


Daria, du arbeitest als Asylverfahrensberaterin für die DRK-Flüchtlingshilfe. Wie bist du zu der Arbeit gekommen?


Ich habe in Essen Erwachsenenbildung studiert, später Verwaltungs- und Wirtschaftsrecht in Wismar und an der FU Berlin. Die Asylverfahrensberatung hat mich schon im Studium interessiert. Ich komme selbst aus Russland und bin erst seit acht Jahren in Deutschland. Ich kann also sehr gut nachvollziehen, wie es ist, in einem Land neu anzukommen.


Mit welchen Fragen und Problemen kommen die Bewohner auf dich zu?


Grundsätzlich muss jeder im Team alles können – Mediationsgespräche führen, deeskalierend einwirken, auf die Aufsichtspflicht hinweisen, Bewohner bei ihren alltäglichen Problemen unterstützen, mit den Behörden zusammenarbeiten und vieles mehr. Als Russisch-Muttersprachlerin muss ich außerdem viel übersetzen und dolmetschen. Mein Steckenpferd ist aber das Asylverfahren selbst – das heißt BAMF-Bescheide lesen, Bewohner auf den wichtigsten Tag im gesamten Asylverfahren, den Anhörungstermin, vorbereiten, Briefe von Rechtsanwälten erklären und vieles mehr. Dazu gehört aber auch, dem Bewohner eines Tages sagen zu müssen, dass er jederzeit abgeschoben werden kann.

 

Du bist täglich mit vielen persönlichen Schicksalen konfrontiert. Wie gehst du damit um?


In manchen Gesprächen kommen schockierende Details wie Taliban-Entführungen und Zwangsprostitution in Afghanistan, Kollektivbestrafungen in Tschetschenien und harte Korruptionsfälle oder auch Tragödien in der Familie, unheilbare Krankheiten und Behinderungen zutage, häufig mit Fotos oder sonstigen Beweisen hinterlegt. In solchen Situationen versuche ich immer, eine goldene Mitte zwischen Professionalität und Menschlichkeit zu finden. Wenn man jede einzelne Geschichte zu nah ans Herz lässt, brennt man schnell aus und das ist dann eines Tages auch nicht mehr im Sinne des Beratenen. Wenn der Berater aber die Erzählungen von Bewohnern nur als reine „Fälle“ und „Aktenauszüge“ zu empfinden anfängt, läuft nach meiner Meinung ebenso irgendwas komplett schief.
Man darf sich die Arbeit in den Unterkünften aber auch nicht als eine nicht-enden-wollende Tragödie vorstellen. Es gibt auch sehr viel Positives – Babygeburten, Partys, Sportmeisterschaften, Ausflüge, Ehen werden geschlossen. Auch viel Alltägliches ist immer dabei – Kinder gehen zur Sprachschule und in die KiTa, Nachbarn streiten sich - alles wie auch im normalen Leben.

 

Die meisten geflüchteten Menschen, die hier ankommen, sprechen kein Deutsch. Wie wird die Sprachmittlung bei der Beratung sichergestellt?


Das DRK achtet darauf, Berater einzustellen, die mindestens eine der häufigen Sprachen wie Russisch, Arabisch, Persisch oder Französisch beherrschen. Englisch ist außerdem ein Muss. So können wir viele Beratungen in der jeweiligen Muttersprache anbieten. Es gibt aber auch Bewohner, die sehr seltene Sprachen sprechen. Glücklicherweise haben wir viele intelligente und gut ausgebildete Bewohner, die sprachbegabt sind und für ihre Nachbarn gerne übersetzen.

 

Was motiviert dich an der Arbeit?


Zum einen, dass es hier täglich viele neue Lerninhalte gibt, sei es Rechtliches zum Asylverfahren, Landeskunde, neue Sprachen und Kulturen, zwischenmenschliches Verhalten und vieles mehr. Auch von den Bewohnern selbst, von ihren Ansichten und Lebensphilosophien, lerne ich täglich sehr viel. Zum anderen, gibt es einem natürlich immer ein angenehmes Gefühl, wenn man mit seiner Arbeit etwas Gutes bewirken konnte.
Motivierend ist für mich auch immer der Gedanke, zum riesigen Netz vom Roten Kreuz zu gehören. Ich war in diesem August kurz zu Besuch beim Amerikanischen Roten Kreuz in Boston und es war tatsächlich großartig, den Leuten auf einem anderen Kontinent zu begegnen, die dennoch die gleichen Grundsätze teilen und die dort eine sehr ähnliche Arbeit leisten.